Drei SCHÖNE und AMÜSANTE Geschichten

3Frauen

 

 

 

 

Erst 75jährig schildert die Nobelpreisträgerin Alice Munro (*1931) in ihrer Erzählung „Unterm Apfelbaum liegen“, wie 1944, als sie selbst 13 Jahre alt war, die dreizehnjährige Alice ziellos mit dem Fahrrad durch die Gegend fährt, obwohl sich das für ein Mädchen in diesem Alter nicht schickt,

„… weil ich insgeheim für die Natur schwärmte. Dieses Gefühl kam anfangs aus Büchern. Beschreibungen von einem verschneiten Feld im Mondlicht oder einem Nadelwald oder einem stillen Teich, der den Abendhimmel spiegelte. Dann hatte es sich mit einer anderen geheimen Leidenschaft von mir vermischt, nämlich der für die Gedichtzeilen. Ich durchstöberte meine Schulbücher danach, um sie zu entdecken, bevor sie in der Klasse gelesen und verachtet wurden. Diese Vorlieben zu Hause oder in der Schule zu verraten, hätte mich in einen Zustand dauernder Verletzlichkeit versetzt …“ ©Fischer

 

Alan Bennett (*1934), der britischer Schriftsteller, Regisseur, Schauspieler und Drehbuchautor, Sohn eines Metzgers, fabuliert eine Geschichte um seine königliche Hoheit und kührt sie darin zur  „souveränen Leserin“ :

„… Der Reiz des Lesens liegt in seiner Indifferenz: Literatur hat etwas Erhabenes. Büchern ist es egal, wer sie liest oder ob sie überhaupt gelesen werden. Vor ihnen waren alle Leser gleich, auch sie selbst. Die Literatur“, dachte die Queen, „ist wie der Commonwalth; Bücher darin sind die Republiken.“ Tatsächlich hatte sie diesen Ausdruck „die Republik der Bücher“, schon mehrfach gehört  – bei Examensfeiern, Ehrendoktorverleihungen und dergleichen – ohne genau zu wissen, was damit gemeint war und empfand es damals leicht beleidigend, zumindest taktlos…“
aus „Die souveräne Leserin“ von Alan Bennett ©Wagenbach

 

Elisabeth Raether (*1979) berichtet, wie sich Madame Clicquot-Ponsardin (1777-1866)  weigerte zu gefallen und zieht Schlüsse zu unserer heutigen eigenen Gefallsucht :

„Die Witwe Clicquot trank gern und viel Champagner und war eine der erfolgreichsten Frauen des 19. Jahrhunderts – ein großartiges Leben, frei von allem Frauen-Klimbim. Das Problem mit der Macht ist, dass man meist nicht mehr so gut aussieht, wenn man sie sich erkämpft hat. Man hat Falten bekommen, man hat keine Zeit für Sport und Kosmetikstudios, und nach einem 16-Stunden-Arbeitstag ist die Frisur sowieso dahin. Es gibt ein Porträt von der Witwe, da ist sie weit über 70, eine dicke, alte Frau mit einer großen Nase. Der Maler lässt ihren Körper diskret unter viel schwarzer Farbe verschwinden…

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