Schöne des Herrn von ALBERT COHEN

SeigneurCohen©JacquesSassier

©Jacques Sassier

Es ist mir eine große Freude, dass der Klett-Cotta Verlag mir erlaubt, Ihnen diesen wunderbaren Roman vorstellen zu dürfen! „Einer der großen (und vergnüglichsten!) Romane des 20. Jahrhunderts“ laut Andreas Isenschmid und ich zitiere weiter: „Albert Cohen kam 1895 in der kleinen jüdischen Gemeinde Korfu zur Welt, emigrierte mit seinen Eltern nach einem Progrom 1905 nach Marseille und tauschte nach dem Studium der Rechte an der Uni Genf 1919 seinen ottomanischen Pass gegen einen schweizerischen. Zwischen den 20er und den 40er Jahren war er höherer Funktionär bei internationalen Organisationen, aber auch Mitglied verschiedener jüdischer und zionistischer Organisationen.

Sein „schönstes Buch“ nannte er den Flüchtlingspass, dessen Rechtekatalog er als Diplomat mit ausgehandelt hatte.

Es ist atemberaubend, wie Cohen alle Seiten seines suchenden und irrenden jüdischen Lebens im 20. Jahrhundert Zug um Zug in die wilde, fantastische Welt seiner Romane umimaginiert hat. Solals verzweifelte Liebe zu Ariane in SCHÖNE DES HERRN ist durchsetzt mit aberwitzigen Diskursen über jüdische Identität.“

 

“… “An die Arbeit!”, verkündete der Völkerbundbeamte Adrien Deume sich selbst in seinem Büro und nahm eine Akte, ohne sich den Titel anzusehen. Pech, es war die Syrische, eine höchst unsympathische Akte. “Später noch mal vornehmen.” Er klappte den Deckel zu, erhob sich und ging auf einen Plausch zu Kanakis, mit dem er einige vorsichtige Bosheiten über Pei, den kürzlich in den Grad A versetzten Chinesen, austauschte. Wieder zurück öffnete er erneut die Akte, rieb sich die Hände und atmete tief ein, “An die Arbeit!”. Wie ein Kämpfer vor der Schlacht krempelte er die Ärmel hoch. “Wird sogleich erledigt.” Er stand auf und suchte erst einmal auf den Toiletten Zuflucht, wo man auf höchst legitime Weise einige Zeit verstreichen lassen konnte. ….”

 

seine Ehefrau indes, die Calvinistin Madame Ariane Deume: “… o dieser hündische Blick wenn er mich ansieht mit gewissen Absichten na ja wenn er mich benutzen will schrecklich ich sperre mich nicht er wird seine Gymnastik auf mir machen und dann kommt er endlich der komische epileptische Anfall des Herrn der für die Mandatsgebiete zuständig ist ist ja reizend diese Wollust von der man in Romanen liest gibt es tatsächlich solche Idiotinnen die dieses grässliche Getue lieben  wie ist es nur möglich es gibt ständig Geburten dass die Leute sich nicht schämen so etwas öffentlich bekanntzugeben aber alle finden diese Geburtsanzeigen ganz natürlich schicklich ja alle machen diese grässlichen Dinge und neun Monate später schämen sie sich nicht es in die Welt hinauszuposaunen sogar die Minister die im Völkerbund Reden über den Weltfrieden halten….”

 

und Solals Verführungs-Kunst: er klagt an im Beisein seiner Angebeteten: „Ich kann nicht, ich kann nicht mehr verführen, wie die Frauen es wollen. Ich will dieses entehrende Spiel nicht mehr! Schrecklich. Denn diese Schönheit, die sie alle wollen, vor der ihre Lider zittern, diese männliche Schönheit, die für sie hoher Wuchs, harte Muskeln und scharfe Zähne bedeutet, was ist diese Schönheit anderes als der Beweis von Jugend und Gesundheit, das heißt von physischer Kraft, das heißt von jener Stärke, die sich im Kampf bestätigt, im Zufügen von Schaden, und deren Gipfel, Heiligung und letzter geheimer Ursprung die Macht zu töten ist. Kurz, um mir in Liebe zu verfallen, müssen sie in mir den möglichen Mörder spüren, der sie beschützen kann….“

 

Michael Kleeberg: “ALBERT COHEN verfügt über eine unvergleichliche sprachliche Virtuosität. Es ist die Fabulier-, Formulier-, und Übertreibungslust der sefardischen Juden, die über alle sozialen – und Alters-Schranken hinweg lebendige Leidenschaft für das “Schwätzen”. Dieses Bedürfnis, die Niederlage, die man de facto dem Leben gegenüber erleidet, wenigstens noch zu einem Unentschieden umzubiegen in Worten, vor deren Anzahl, Farbe, Treffsicherheit und Komik das Schicksal nur kapitulieren kann.”

 

¡¡¡ Geben Sie sich dieser Fabulierlust hin !!!

Freitag, den 8. Januar 2016 um 19.30 Uhr  

EINTRITT FREI — jede/r zahlt was sie/er kann

Buchhandel FRANKundSTEINWARDER, Hoheluftchaussee 68, 20253 Hamburg, Tel.: 040 484939, BUS M5 Eppendorfer Weg (Ost)

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