MACUNAíMA, der brasilianische Held OHNE jeden Charakter von MARÍO de ANDRADE

Katharina Schütz liest

Macunaíma (Macu = böse und Ima = groß), das Hauptwerk des brasilianischen Modernísmo, geschrieben 1926 von Marío de Andrade.

Macunaíma ist der erste Mensch und großes Kind, Indianer, Weißer und Schwarzer in einem, Gründer, Zerstörer und Verführer, Feigling und Draufgänger – ein König für eine Nacht. Er wurde tief im Urwald geboren, ein kleiner brasilianischer Herkules, der es an Beweisen früher Männlichkeit nicht missen lässt. Schon bald verlässt er seine Sippe, zusammen mit seinen beiden Brüdern, heiratet Ci, die Mutter des Urwalds, und gelangt dann, auf der Suche nach seinem verlorenen Amulett, nach São Paulo, der modernen, hochtechnisierten Millionenstadt.

Nach zahlreichen, teils pitoresk-realistischen, teils mythischen Abenteuern kehrt Macunaíma in seine Heimat zurück, auf der Suche nach den Stätten seiner Kindheit. Sein letztes Liebesabenteuer mit der Lagunenjungfrau Uiará hätte ihn beinahe das Leben gekostet. Der aus den Fugen geratenen Welt überdrüssig, verwandelt sich Macunaíma in das Sternbild des Großen Bären.

Ein von Phantasie und Wortschöpfungen überbordender Text.

“….Macunaíma packte einen Copaíba-Stamm und versteckte sich in einem Piranha-Loch. Als Sofará angerannt kam, schlug er sie mit dem Stamm auf den Kopf. Er brachte ihr eine Wunde bei, daß das Mädchen, sich vor Lachen krümmend, zu seinen Füßen fiel. Sie zog ihn an einem Bein. Macunaíma  stöhnte vor Lust und klammerte sich an den riesigen Stamm. Nun schnappte die Junge seinen großen Zeh mit dem Mund und verschlang ihn. Macunaíma  weinte vor Freude und tätowierte ihren Leib mit dem Blut des Fußes. Dann spannte er seine Muskeln, schwang sich auf ein Lianentrapez und erreichte in Sekundenschnelle springend den nächsten Ast der Prianheira. Sofará kletterte hinterher. Der zarte Zweig bog sich schwankend. Als die Junge gleichfalls auf der Krone angelangt war, spielten sie von neuem miteinander, im Himmel schaukelnd. Nach dem Spiel wollte Macunaíma  schmusen…..”  ©Suhrkamp

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